Mittelständler setzt auf seinesgleichen
Bei der Auswahl eines Finance-Paketes entschied sich die Primagas GmbH im Frühjahr 2001 für einen mittelständischen Anbieter und damit gegen die Empfehlung der Konzernmutter, das mächtigere System eines Großanbieters einzuführen. Ausschlaggebend für das Abweichen von der Konzernempfehlung war das Votum der Anwender, die von Beginn als feste Größe in das als PrimaCash bezeichnete DV-Projekt integriert waren. Hinzu kam die Erfahrung aus diversen Vorgesprächen, dass mittelständische Anbieter die Sorgen und Nöte ihrer mittelständischen Kunden weitaus besser verstehen und daher auch schneller zu praktikablen Lösungen gelangen, als das bei Großanbietern der Fall ist.
50 Jahre im Dienst der Umwelt
Als die in Krefeld ansässige Primagas GmbH 1950 an den Markt ging, stand noch ausschließlich der Handel mit Flüssiggas in Flaschen im Mittelpunkt ihres Geschäftes. Im Laufe der Jahre vollzog sich jedoch der Wandel zum Energieversorger, dessen Hauptprodukt für private Haushalte, Gewerbe, Industrie, Freizeit und Landwirtschaft nach wie vor der ökonomisch und ökologisch sinnvolle Energieträger Flüssiggas - jetzt in Tankbehältern - darstellt. Die sukzessive Expansion hatte durch die Beteiligung der französischen Primagaz Groupe einen kräftigen Schub erfahren, der 1995 durch eine Fusionnoch weiter verstärkt wurde. Heute findet man Primagas mit Regionalcentern in Krefeld (West), Neubrandenburg (Nord), Dresden (Ost) und Würzburg (Süd). Diese arbeiten als Servicecenter, die den regionalen Vertrieb in Innen- und Außendienst steuern. Hier wird das Gas verkauft, das in Deutschland überwiegend zum Heizen eingesetzt wird; es verbrennt so sauber, dass es sogar bei Smogalarm eingesetzt werden darf. Acht Mitarbeiter zählt die eigene IT-Mannschaft, die neben einer am Standort Krefeld installierten IBM AS/400, Modell 500, moderne, IP-basierte Netze aufgebaut und mittlerweile die ersten Client/Server-Anwendungen auf der Basis von Windows NT und Oracle implementiert hat. Neben dem Aufbau eines Dokumenten-Management-Systems unternahm Primagas 1998außerdem die ersten Schritte in Sachen Internet, E-Mail und Telemetrie.Die operativen Systeme
Eine gewachsene Materialwirtschaft und eine individuell entwickelte, maßgeschneiderte Lösung im Rechnungswesen stellten bis 2000 im Rahmen der Euro-Überlegungen die wesentlichen operativen Werkzeuge bereit. Als Primagas die Ablösung des Finance-Eigenbaus beschloss, sollten damit gleich mehrere Ziele erreicht werden: der Aufbau eines investitionssicheren Standardproduktes mit der damit verbundenen Partizipation an den mächtigen Funktionen, die Lösung des bis dato ungeklärten Euro-Problems sowie der Einzug von Fachanwendungen für Kostenrechnung und Anlagenbuchhaltung. Die neue Lösung sollte die alte Green-Screen-Anwendung auf der IBM AS/400 ablösen. Dieses Vorhaben bedeutete nicht zuletzt wegen der Beliebtheit der Eigenlösung unter den Anwendern eine große Herausforderung. Denn schließlich konnten diese das System äußerst einfach bedienen, zumal jeder unnötige Handgriff akribisch „wegprogrammiert“ worden war. Die Messlatte für das neue System lag um so höher, als dass die Auswahl von den Mitarbeitern beeinflusst und zudem wesentlich von dem Leiter Operative Systeme und PrimaCash–Projektverantwortlichen Lothar Zens getragen werden sollte, der die alte Finance-Lösung selbst programmiert hatte.Eine Frage der Motivation
„Der Aufbau eines Standard-Rechnungswesens hat sich mit der Einführung unseres CRM-Systems überschnitten“, berichtet IT-Leiter Joachim Walsdorff von der Doppelbelastung seiner Abteilung. „Dabei haben die Mitarbeiter das Finance-Thema im Vergleich zu CRM als das weniger attraktivere aufgenommen. Hinzu kommt, dass wir das Kundenmanagement auf der grünen Wiese aufbauen konnten, während die Ablösung eines bestehenden Rechnungswesens von der Natur der Sache heraus immer das Tagesgeschäft tangiert.“ Zur Steigerung der Motivation aller Beteiligten haben einige einfache, aber nicht minder pfiffige Aktionen der Projektleitung beigetragen. Dazu gehörte die Einführung einer firmennahen Bezeichnung für die neue Lösung oder beispielsweise auch das Anfertigen von PrimaCash-Saunatüchern für alle Beteiligten „um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen“, wie Projektleiter Lothar Zens mit einem verschmitzten Lächeln berichtet. „Alles entscheidend für das Ziehen an einem Strang war jedoch, die Mitarbeiter von Beginn an in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen“, ist er sich rückblickend sicher.Der Wunschzettel
Das Headquarter im niederländischen Utrecht favorisierte einen der großen Anbieter wie Oracle, J.D. Edwards, SAP oder auch Peoplesoft, um eventuell über Application Service Providing (ASP) die entsprechenden Benefits in die gesamte Gruppe einzubringen. Diesen Ansatz verfolgt der Konzern teilweise schon heute. So wird beispielsweise die Exchange-Domäne über einen internationalen Dienstleister in Amsterdam gemanagt. „Wir haben die großen Anbieter intensiv geprüft, fanden uns aber weder bei unserer Problemstellung wieder, noch bauten unsere Anwender eine Beziehung zu deren mächtigen Produkten auf“, erinnert sich IT-Leiter Joachim Walsdorff. Sogar die bei der Konzernschwester in England erfolgreich im Einsatz befindliche Lösung fiel nach einem zweiten Prüfungslauf mit einem anderen Beratungsunternehmen durch. In der Folge konzentrierte sich der Suche auf mittelständische Anbieter. Zu den konkreten Anforderungen zählten die Multiplattformfähigkeit, eine Client-Server-Architektur und die Datenbankunabhängigkeit. „Wir haben nach wie vor eine AS/400 samt DB2/400 im Hause, aber auch eine ’bunte’ NT-Welt mit Oracle 8“, beschreibt Joachim Walsdorff die heterogene DV-Struktur seines Unternehmens.Auf Umwegen zu r.z.w. cimdata
Software und kompetente Mitarbeiter sprachen für die Westernacher AG. Kurz vor der letzten Entscheidungsrunde kam jedoch Ende 2000 die Nachricht von der Insolvenz des Unternehmens, was bei Primagas eine Krisensitzung zur Folge hatte. Denn schließlich lagen die Termine bezüglich der Euro-Umstellung sehr eng und waren auch nicht verschiebbar. Im Ergebnis rückte der Zweitplatzierte des Auswahlverfahrens nach oben. Außerdem begannen Gespräche mit der r.z.w cimdata AG, die alle Rechte an dem objektorientierten Standardpaket für Rechnungswesen und Controlling aus der Westernacher-Konkursmasse übernommen hatte und diese unter dem neuen Label if2000 weiterentwickeln wollte. „Der Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Hölzer hat bei einem sehr konstruktiven Gespräch in Krefeld alle Sachfragen über die r.z.w.-Strategie kompetent beantwort“, erinnert sich IT-Leiter Joachim Walsdorff. „Aber mehr noch, er konnte die Verunsicherung bei uns beseitigen, unser Bauchgefühl verbessern und uns überzeugen, dass wir das Projekt gemeinsam stemmen können.“ Nachdem auch gegenüber dem neuen Rechteinhaber das Vertrauen aufgebaut war, fiel bei Primagas die endgültige Entscheidung für if2000 und damit nach Aussage von Projektleiter Lothar Zens für das „rundeste aller gesichteten Pakete“.Und los gehts
Mitte April 2001 wurden die Verträge unterzeichnet. Traditionell kommen bei Primagas Siemens-Server zum Einsatz. Für PrimaCash bedeutete das die Installation auf einer Primergy H400 mit 2 GB Hauptspeicher und 2 XEON-Prozessoren im Grundausbau. Zunächst war DB2/400 als Serverdatenbank im Gespräch, letztendlich bekam aber Oracle 8.15 den Vorzug. Das Test- und Schulungssystem lief auf einem einfachen Mono-Server mit 500 MB Speicher, die Clients wurden auf einem Citrix-Metaframe Terminal-Server installiert und der Initial-Gruppe für deren Arbeit zur Verfügung gestellt. Nachdem die Hardware stand, fand schließlich im Rahmen von Schulungen und Workshops das eigentliche Customizing statt. Sozusagen nebenbei erfolgte die Anpassungsprogrammierung, bedingt durch komplexe Fakturierungsläufe bei Primagas, die im Prinzip einen Durchgriff von der AS/400-basierten Fakturierung auf das unter Oracle arbeitende OP-Management erfordern. In diesem Zusammenhang entstand auch das neue Modul Cash-Connect, das r.z.w cimdata mittlerweile als Standard abstrahiert hat und allen Anwendern zur Verfügung stellt. Projektleiter Lothar Zens brachte indes seine ganze Erfahrung in die Schnittstellenthematik ein. Hier ging es darum, die vormalig weiche Integration zwischen dem Waren- und Gaswirtschaftssystem und der Finanzbuchhaltung wiederherzustellen - ein nicht gerade banales Unterfangen angesichts verschiedener Systemwelten und unterschiedlicher Datenbanken.Daten ’en masse’
Von den Altdaten wurde weitestgehend alles übernommen. Bei ersten Testläufen benötigten jedoch die Massenbuchungen noch zu viel Zeit. Bedingt durch die im Energiebereich übliche Jahresabrechnung verwaltet Primagas bis zu 450.000 OPs, was deren Übernahme zum Geduldspiel avancieren ließ. Der Batchlauf wurde schließlich nach einigen Tagen abgebrochen, da kein Ende abzusehen war. „Der Schreck war aber von kurzer Dauer“, erklärt IT-Leiter Joachim Walsdorff mit einem Augenzwinkern, „denn nachdem wir das Problem bei dem Softwarehaus thematisiert hatten, wurde eine praktikable Lösung auf Oracle-Ebene herbeigeführt.“Über 100 Anwender zu involvieren
Etwa 30 Mitarbeiter beschäftigen sich bei Primagas mit Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung und Anlagenbuchführung. Die Anlagenverwaltung hat hierbei angesichts der an die 80.000 in Primagas-Eigentum befindlichen Gasanlagen eine ganz besondere Dimension. Darüber hinaus gibt es weitere etwa 80 Agenten in den Service-Centern. Für sie wurde ein eigener entwickelt, der die debitorische Konteneinsicht unterstützt und das Setzen von Mahnkennziffern bzw. Mahnstopps ermöglicht. Dieser kann native aufgerufen werden, wird aber auch von dem CRM-System angesteuert, so dass die Kundennummer nicht noch einmal gesondert in if2000 einzugeben ist.Ohne doppelten Boden
Mitte September 2001, also fünf Monate nach Projektbeginn, erfolgte die Übernahme von if2000 in den Echtbetrieb. „Das alte System ist zwar noch gehostet, wird aber nicht mehr weitergepflegt“, beschreibt Projektleiter Lothar Zens den vollzogenen Wechsel. „Jetzt gilt es, Stück für Stück die einzelnen Module kennen und anwenden zu lernen und dabei die Prozesse in der Buchhaltung zu optimieren.“ Ganz vorne stehen dabei das OP-Management und das damit verbundene Mahnwesen; hier sind grundlegende Änderungen in den Abläufen erforderlich. Und auch wenn der kreditorische Bereich bei Primagas mengenmäßig keine wesentliche Rolle spielt, sollen hier Themen wie beispielsweise die Rechnungsprüfung eingehend überdacht werden.Auf den Punkt gebracht
Das PrimaCash-Projekt ist geglückt – und das rechtzeitig vor der Euro-Einfürung Auch wenn sich nach nur wenigen Wochen des Echtbetriebes noch keine detaillierteren Aussagen über die tägliche Umsetzung oder gar Jahresabschlüsse treffen lassen, so ist dennoch schon jetzt zu erkennen, dass die Wahl des Partners und damit verbunden die Wahl der Software die richtige war. „r.z.w. cimdata hat sich als kompetenter Partner erwiesen und ist bereit, den Weg mit seinem Kunden zu gehen“, bringt IT-Leiter Joachim Walsdorff seine positiven Erfahrungen auf den Punkt. „Wenn der Standard an bestimmten Punkten nicht ausreicht, um die individuellen Anforderungen abzudecken, sorgt der Anbieter schnell und unbürokratisch für Verbesserungen.“Die nahe Zukunft
Primagas intensiviert jetzt sukzessive die Arbeit mit if2000. Auch an den Schnittstellen gibt es noch einiges zu tun, und die Integration ins CRM-System wird weiter vorangetrieben. In einem anderen Projekt ist das Unternehmen dabei, das Internet für die Einbindung des Außendienstes per Portal zu nutzen. Eine Integration der Finanzdaten in ein solches Sales-Portal mache hier durchaus Sinn, wie Joachim Walsdorff feststellt: „Manchmal träumen wir von B-to-B- und B-to-C–Anwendungen, bei denen wir unseren wichtigen Sales-Partnern und VIP-Kunden den Zugriff auf Daten geben können.“ Warum auch nicht? Mit einer modernen standardisierten Software und einem potenten Partner ist schließlich alles denkbar. „Aber erst einmal“, so der IT-Leiter weiter, „machen wir unsere Hausaufgaben fertig.“Das Geschäft mit dem flüssigen Gas
Primagas bedient deutschlandweit 80.000 Tankkunden, die im Durchschnitt mit 2-4 Tonnen Flüssiggas fassenden Tanks ihre Häuser mit Wärme versorgen. Dieses Kernbusiness ist aus dem klassischen (Gas-) Flaschengeschäft entstanden, das Primagas nach wie vor, aber heute nicht mehr mit den Endkunden abwickelt, sondern über etwa 4.000 Vertriebsstellen. Aktuell zählt Primagas 9.000 sogenannter Flaschenkunden. Einen dritten Zweig stellen zentral versorgte Gebiete dar, in denen Primagas ganze Ortschaften mit Rohrleitungen ausstattet und Haushalte über Gaszähler versorgt. Das Gros des Geschäftes dreht sich um das „Heizen“; darüber beschäftigt sich Primagas auch mit industriellen Anwendungen wie beispielsweise Brennschneiden, Korntrocknung, Bautrocknung oder auch mit dem Thema Treibgas, das als Autogas oder zum Beispiel in Gabelstaplern zum Einsatz kommt. Das Unternehmen präsentiert sich ausführlicher unter www.primagas.de im Internet.Die Hardware für PrimaCash
Testsystem: Industrieserver, 500 MB / 30 GB MonoProduktivsystem: Siemens Primergy H400 2 GB / 70 GB Raid 1 Quattro 2*700 Xeon
Citrix -TerminalServer Intel, 2 GB, Dual 2 x 1000 Pentium
Windows NT4 SP6
Oracle 8.05
Client: Citrix / ICA
PrimaCash in Zahlen
30 User im Finanzbereich80 Read-Only Anwender
150.000 Geschäftspartner
250.000 – 450.000 debitorische OP (31.03. Jahresabrechnung)
350.000 Rechnungen (30 Prozent per Bankeinzug)
23.000 Kreditorenrechnungen
1.800 kreditorische OP
10.000.000 Transaktionen / Jahr
Primagas GmbH
Joachim Walsdorff
Luisenplatz 9
D – 47799 Krefeld
Telefon: 02151/852-345, Fax:-290
www.primagas.de
